Fertigungsautomatisierung 1 | 15

Roboter bewegen edles Porzellan

Vom Druckguss bis zur Bodenmarke

Wer seinen Tee oder Kaffee genussvoll aus einer Tasse von Villeroy & Boch trinkt, wird meist edles Porzellan aus Torgau in der Hand halten. Dort produziert der Keramikhersteller Tassen und andere Geschirrteile aus dem Unternehmensbereich Tischkultur – voll automatisiert und mit Industrierobotern von ABB.

Die Entwicklung des Standorts Torgau ist eine echte Erfolgs-geschichte. Mehr als zehn Millionen Tassen, Teller und andere Geschirrartikel aus Porzellan stellte Villeroy & Boch dort 2013 her. Wegen der großen Nachfrage nach hochwertigem Porzellan „made in Germany“ wird die Produktionskapazität nun um weitere 400.000 Teile pro Jahr erhöht. Dafür wurde 2014 eine zusätzliche vollautomatische Glasierlinie installiert. Seit 2006 hat Villeroy & Boch in Torgau mehr als 10 Millionen Euro in den Ausbau seiner Kapazitäten investiert. Profitiert haben von diesem Wachstum auch die Menschen in der Region. „Trotz des steigenden Automatisierungsgrads haben wir seit 2009 etwa 50 neue Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigen mittlerweile 160 Mitarbeiter“, erklärt Randolf Maaß, Produktionsleiter in Torgau.

Einfache Bedienbarkeit

Eine wirtschaftliche Fertigung mit hoher Produktivität erreicht Villeroy & Boch durch robotergestützte Automatisierung. Industrierobotern von ABB kommt dabei eine zentrale Rolle zu. 2001 wurden die ersten Roboter in Torgau installiert. Inzwischen sind es insgesamt 64 geworden. Die ältesten ABB-Roboter mit durchschnittlich gut 85.000 Betriebsstunden wurden im Jahr 2014 gegen sechs neue Roboter aus der Familie IRB 2600 ausgetauscht.

Die gute Bedienbarkeit der Roboter war zu Beginn der Zusammenarbeit maßgebend für die Entscheidung für ABB. Randolf Maaß erläutert: „Wir benötigen eine einfache Möglichkeit zum Nach-teachen und Korrigieren. Denn Keramik hat ihre ganz besonderen Eigenheiten und kein Produktionsprozess gleicht zu 100 Prozent dem anderen.“

 

Millimetergenaues Entgraten

Torgau ist Sitz des Kompetenzzentrums Druckguss von Villeroy & Boch. Im Druckgussverfahren können anspruchsvolle Formen in einem Stück hergestellt werden. „Hier entsteht im wahrsten Sinne des Wortes der fertige Artikel aus einem Guss“, sagt Randolf Maaß. Nachdem der Gießzyklus beendet ist, übernehmen ABB-Roboter vom Typ IRB 2400/16 mit Sauggreifern die unbearbeiteten Rohteile und setzen sie auf ein Förderband, das die Teile zu einer Bearbeitungsstation bringt.

In der Bearbeitungsstation werden Pressgrate von den Rohteilen entfernt und ihre Oberflächen mit Schwämmen bearbeitet. Diese Arbeitsschritte heißen „Fertigmachen“. In den räumlich begrenzten Bearbeitungszellen sind Roboter vom Typ IRB 2400L mit schlanker Bauform und 1,8 m Reichweite im Einsatz. Beim Führen der rohen, noch ungebrannten Teile entlang einer Spindel und verschiedener Schwämme kommt es auf hohe Präzision an. „Ein Millimeter Abweichung ist schon zu viel. Dann ist das Teil Ausschuss“, betont Randolf Maaß. Neben dem Entladen der Druckgussmaschinen und dem Fertigmachen übernehmen ABB-Roboter in Torgau das Belegen der Glasiermaschinen und bringen die charakteristische Bodenmarke auf.

 

ABB Robot Care minimiert Risiken

„Die Zusammenarbeit mit ABB hat über die Jahre gut funktioniert und ist in einen ABB-Robot-Care-Wartungsvertrag gemündet“, so der Produktionsleiter. „Mit ABB Robot Care können wir die Kosten für die Instandsetzung planen und 24 Stunden am Tag auf Ersatzteile und einen Servicetechniker zugreifen. Sollte es tatsächlich zu einem Anlagenstillstand kommen, garantiert ABB, dass die Anlage innerhalb eines Tages wieder läuft. Durch die Fernüberwachung der Anlagen erkennt ABB außerdem potenzielle Fehler rechtzeitig und informiert uns über vorbeugende Wartungsmaßnahmen.“

Roboter im Sechser-Pack: 2014 wurden sechs neue IRB 2600 im Werk Torgau installiert.

Villeroy & Boch AG

Villeroy & Boch mit Sitz in Mettlach (Saarland) hat Produktionsstätten in Europa, Mexiko und Thailand. Mit Produkten für Bad und Wellness sowie für Tischkultur und Fliesen ist der Keramikhersteller in 125 Ländern vertreten. Das börsennotierte Unternehmen blickt auf eine mehr als 265-jährige Firmengeschichte zurück.

Weitere Infos: www.villeroy-boch.de