Energietechnik 4 | 15

Schalten im luftleeren Raum

Vakuumkammern für die Mittelspannung

Die Stromunterbrechung im Vakuum ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Schaltprinzip in der Mittelspannung. Ob Schaltanlagen, Leistungsschalter, Schütze, Stufentransformatoren oder Freiluftschalter auf Strommasten – Vakuumschaltkammern werden in vielen verschiedenen Geräten verwendet und bieten hohe Zuverlässigkeit sowie größtmögliche Sicherheit. Ihre Aufgabe besteht darin, in Mittelspannungsanwendungen Betriebsströme zu unterbrechen und Kurzschlussströme abzuschalten. Dass sie über ihre gesamte Lebensdauer – sie sind für bis zu eine Million Schaltzyklen ausgelegt – wartungsfrei sind, macht ihren Betrieb besonders kostengünstig.

Weltweit sind mehr als vier Millionen Vakuumschaltkammern aus dem Hause ABB im Einsatz. Das Portfolio umfasst Kammern für Spannungen von 7,2 kV bis 40,5 kV und für Kurzschlussströme bis 63 kA. Sie finden nicht nur in ABB-Produkten Verwendung, sondern werden auch an Kunden vertrieben, die damit ihre eigenen Schaltgeräte bauen. Da die Technologie permanent weiterentwickelt wird, entstehen immer wieder neue Einsatzmöglichkeiten. Im vergangenen Jahr stellte ABB den neuen Generatorleistungsschalter VD4G-50 vor. Damit die Vakuumschaltkammern in diesem Gerät eingesetzt werden dürfen, müssen sie Prüfungen nach neuesten Standards für Generatorschalter bestehen und ihre Funktionsfähigkeit auch unter härtesten Bedingungen, zum Beispiel besonders langen Lichtbogenzeiten, unter Beweis stellen.

Das ehemalige Unternehmen Calor Emag, das heute zur ABB AG gehört, fertigte 1982 die ersten Vakuumschaltkammern, die als ideale Lösung für die Mittelspannung gelten. Das Vakuum als Schaltmedium ermöglicht die Konstruktion deutlich kompakterer Schalteinheiten im Vergleich zu den zuvor gängigen Technologien. Heute finden sich Vakuumschaltkammern in nahezu allen Mittelspannungsanwendungen. Dementsprechend hoch sind die produzierten Stückzahlen: Derzeit fertigt ABB über 400.000 Vakuumschaltkammern pro Jahr – dank der kontinuierlichen Verbesserung der Produktionstechnologien und -prozesse.

2014 baute ABB die Fertigung am Standort Ratingen aus und erhöhte ihre Kapazität auf 500.000 Stück pro Jahr. Zudem integrierte das Unternehmen kritische Prozesse externer Lieferanten in die eigene Produktion. Endmontage und Routineprüfungen wie Vakuummessung und Hochspannungskonditionierung erfolgen vollständig automatisiert