Energietechnik 2 | 20

„Jetzt geht es darum, die ABB Power Grids Germany am Markt bekannt zu machen.“

Dr. Martin Schumacher, Country Managing Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz, im Interview

ABB baut die bestehende Beziehung zu Hitachi durch die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für Stromnetze aus. Im November 2019 ist die ABB Power Grids Germany AG an den Start gegangen.

Mit etwa 1.900 Mitarbeitern startete die ABB Power Grids Germany AG am 4. November 2019. Die about-Redaktion sprach mit Dr. Martin Schumacher, dem Country Managing Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz, über den Umbau des Unternehmens und die Folgen, die sich daraus für die Kunden ergeben.

ABB about: Was war nötig, um die ABB Power Grids Germany AG als eigenständige Einheit aufzustellen?

Dr. Martin Schumacher: Wir mussten die neue Gesellschaft solide aufstellen und eigene Funktionen aufbauen, die zuvor bei ABB zentral vorhanden waren – von der IT über Recht und Steuern bis hin zur Exportkontrolle. Von rund 150 Stellen haben wir etwa 120 aus Reihen der ABB besetzt. Für die Mitarbeiter ändert sich der Unternehmensname. Die vertraglichen Bedingungen wie Entgelt, Urlaubsanspruch oder Sozialleistungen bleiben bestehen. Auch die Betriebsjahre wurden in die neue Einheit übernommen. Zudem waren viele rechtliche und steuerliche Themen zu klären sowie Prozesse anzupassen oder neu zu definieren.

Welche Schritte stehen als Nächstes an?

Durch die neue Eigenständigkeit können wir als ABB Power Grids fokussierter arbeiten und sind mit etwa 37.000 Mitarbeitern weltweit agil aufgestellt. Wir freuen uns darauf, bald mit einem neuen Namen und gemeinsam mit Hitachi, einem starken und langfristigen Partner, am Markt aufzutreten. Power Grids wird – vorbehaltlich der Zustimmung der Behörden – voraussichtlich bis zum Ende des ersten Halbjahres 2020 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Hitachi eingebracht. Hitachi wird 80,1 % der Anteile des Joint Ventures (JV) übernehmen, die übrigen 19,9 % verbleiben für mindestens drei Jahre nach Transaktionsabschluss bei ABB. Die Führung des JVs liegt weiterhin beim Power-Grids-Management-Team.

Was bedeutet das geplante JV für die Kunden?

Wir haben den gesamten Prozess durch Gespräche mit unseren Kunden begleitet, sowohl im Vertrieb und in Projekten als auch auf Managementebene. Für unsere Kunden – seien es die Übertragungs- oder Verteilnetzbetreiber oder auch die Stadtwerke oder Industriekunden – ist ein solcher Schritt nichts Ungewöhnliches. Sie kennen unsere Technologie und ihre Ansprechpartner im Unternehmen und wissen, dass sich für sie nicht sehr viel ändern wird. Wir als ABB Power Grids stehen für Produkte und Systeme, für Technologien und für Lösungen, die sie dabei unterstützen, verstärkt erneuerbare Energien einzusetzen und eine höhere Effizienz zu erzielen. Ich spüre einen Vertrauensvorschuss. Nun ist es unsere Aufgabe, im Markt präsent zu sein und unter Beweis zu stellen, dass wir auch in Zukunft der Partner der Wahl für ein stärkeres, intelligenteres und umweltfreundlicheres Netz sind.

Wo liegen die Herausforderungen und wo sehen Sie die größten Chancen beim Blick auf Deutschland?

Beim Blick auf unsere deutsche Geschäftseinheit sind bis zum Übergang ins JV noch einige

„Wir haben ein starkes Team mit viel Erfahrung und ein hervorragendes Portfolio – nun liegt es an uns, erfolgreich zu sein.“

Aufgaben zu erledigen, insbesondere bei der Gestaltung von Prozessen. Außerdem haben wir noch unbesetzte Stellen und suchen auch extern, vor allem IT-Experten. Chancen sehe ich vor allem beim Blick auf den Markt. Die zunehmende Integration erneuerbarer Energien und die Abschaltung fossiler Kraftwerke machen Maßnahmen zur Stabilisierung erforderlich, um die Qualität des Stroms sicherzustellen. Auch der Netzausbau kann durch den verstärkten Einsatz von Digitalisierung effizienter gestaltet werden. Und nicht zuletzt die Industrie, bei der Power Quality eine ebenso große Bedeutung hat wie die zuverlässige Einspeisung von Strom, bietet Chancen für uns. Wir haben ein starkes Team mit viel Erfahrung und ein hervorragendes Portfolio – nun liegt es an uns, erfolgreich zu sein.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Ich möchte den Lesern der about danken und hoffe, dass sie genauso viel Freude wie ich an den zahlreichen Projekten, die wir im Laufe der Jahre in diesem Magazin vorgestellt haben, hatten. Wir als ABB Power Grids gehen nun eigene Wege und werden daher künftig nicht mehr in diesem Magazin vertreten sein. Aber wir werden Sie künftig über andere Wege informieren.