Energietechnik 3 | 16

Hightech im Nordosten

Deutsch-dänische Kurzkupplung

Die Kunden 50Hertz Transmission und energienet.dk haben ABB im März für rund 125 Mio. Euro damit beauftragt, die Konverterstation für das Projekt „Kriegers Flak – Combined Grid Solution“ in Bentwisch bei Rostock zu errichten. Hintergrund des Projekts ist die Idee, die räumliche Nähe der dänischen und deutschen Offshore-Windparks in der Ostsee für den Austausch von Energie zu nutzen.

Weltweit erster Offshore-Interkonnektor auf Drehstrombasis

Die beiden bereits existierenden Offshore-Windparks Baltic 1 und Baltic 2 speisen bereits mehr als 300 MW Strom ins deutsche Netz ein. Auf dänischer Seite entsteht bis 2018 der 600 MW-Offshore-Windpark Kriegers Flak. Er wird über ein dreiadriges Drehstromkabel – für dessen Installation und Lieferung ABB im vergangenen Jahr einen Auftrag erhalten hat – an das Stromnetz in Dänemark angebunden. „Da die Windparks nur etwa 15 km voneinander entfernt sind, entstand früh die Idee, diese miteinander zum weltweit ersten Offshore-Interkonnektor auf Drehstrombasis zu verbinden“, erläutert Projektdirektor Ulrich Maier. „Das Stromnetz im Osten Dänemarks ist jedoch nicht synchron mit dem deutschen Netz; der Phasenwinkel ist verschoben, sodass man die Netze nicht einfach miteinander verbinden kann.“ HVDC Light, die spannungsgeführte HGÜ-Technologie von ABB, bietet hier eine technisch elegante Lösung: In einer sogenannten ‚back-to-back‘-Konverterstation (HGÜ-Kurzkupplung) wird der Drehstrom in Gleichstrom umgewandelt und danach direkt wieder in Drehstrom konvertiert. „Und wenn der Drehstrom aus Gleichstrom ‚hergestellt‘ wird, kann man den Phasenwinkel synchronisieren“, so Maier. „Die Konverterstation wirkt also wie eine Art Puffer, der es ermöglicht, die beiden Netze miteinander zu koppeln.“ Ein weiteres Highlight des Projekts ist die Entwicklung eines Controllers, der die gesamte „Combined Grid Solution“ überwacht und entsprechend der Anforderungen des Netzes steuert.

400 MW für etwa 400.000 Haushalte

„Mit unserer deutschen Einheit haben wir bereits bei den Projekten zur Netzanbindung von Offshore-Windparks sehr komplexe Arbeitspakete übernommen“, erklärt Stefan Habild, Geschäftsbereichsleiter HVDC und High Voltage Cables bei Power Grids Deutschland. „Bei Kriegers Flak steuern wir nun das Projekt gesamthaft, das unterstreicht unsere Entwicklung.“ Das Projektteam für Kriegers Flak setzt sich aus Kollegen aus Mannheim und aus dem schwedischen Ludvika, dem Sitz der global für HGÜ zuständigen Product Goup, zusammen. Das von der EU geförderte Projekt soll ab 2019 mit einer Übertragungskapazität von 400 MW etwa 400.000 Haushalte mit Strom versorgen. „Dementsprechend gilt es einen anspruchsvollen Zeitplan einzuhalten“, fasst Maier zusammen, „und das ist nur durch eine intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten möglich.“ In dem Projekt seien beispielsweise auch Teams von zwei unterschiedlichen Kunden involviert. „Entscheidend ist es dabei, einander zuzuhören und sicherzustellen, dass alle auf das gemeinsame Ziel fokussiert sind.“