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Weichenstellungen für die Energiewende

ABB-Vorstandsmitglied Martin Schumacher im Interview

Im Interview erläutert Martin Schumacher, im Vorstand der deutschen ABB zuständig für die Energietechnik, welche Chancen sich aus der im Sommer getroffenen politischen Vereinbarung der Berliner Koalitionsspitzen für die Energiewende ergeben und wie ABB diesen Herausforderungen begegnet.

Die Energiewende hin zu Energie aus Wind, Sonne und anderen sogenannten Erneuerbaren ist längst kein deutsches Phänomen mehr. Welche Bedeutung hat die Energiewende international und welche Herausforderungen bringt das konkret für Deutschland mit sich?

Die Erneuerbaren sind weltweit auf dem Vormarsch und hatten Ende 2014 zum Beispiel in den OECD-Ländern bereits einen Anteil von etwa 10 % an der elektrisch erzeugten Energie, in Deutschland sogar über 27 %. Mit der Energiewende ändern sich mittelfristig die Standorte der Stromerzeugung. In Deutschland heißt dies schon heute: Windkraft schwerpunktmäßig im Norden, Solarenergie schwerpunktmäßig im Süden. Dabei muss mit dem konventionell erzeugten Strom immer stärker auf die volatilen Erneuerbaren reagiert werden – er wird erstmals gezielt aus dem Markt genommen oder absehbar in Reserven überführt. Ohne Veränderungen in den Stromnetzen sind diese Entwicklungen nicht möglich.

Was bedeutet die Berliner Vereinbarung der Koalitionsspitzen vom Sommer für die Umsetzung der deutschen Energiewende und für ABB?

Wir haben das Eckpunktepapier begrüßt, denn es setzt aus unserer Sicht die richtigen Prioritäten. Im zukünftigen Strommarkt stehen Flexibilitätsoptionen auf der Erzeugungs- und der Nachfrageseite im Vordergrund. Die zentrale Überschrift lautet hier: Wettbewerb und Innovation einen Schub verleihen. Darauf freuen wir uns als Technologieunternehmen, das viele Lösungen anbietet – von Ladesystemen für Elektromobilität über Leittechnikpakete für die Erzeugung oder auch für die Bündelung zu virtuellen Kraftwerken bis hin zu Speichern. Und: Der bürgerfreundliche Netzausbau und damit der Aspekt der Akzeptanz ist adressiert worden. Auf diese Weise wird die große Bedeutung der Stromnetze in Deutschland und Europa für die Energiewende unterstrichen.

 

Welche konkreten Auswirkungen haben die politischen Vereinbarungen für den Aus- und Umbau der deutschen Übertragungsnetze?

Auch die Politik hat die Netzengpässe von Norden nach Süden erkannt. ABB hat sich lange für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) als effizientem Transportmittel großer Strommengen eingesetzt und sieht sich im Netzentwicklungsplan und nun auch im Eckpunktepapier bestätigt. Wir finden es richtig, dass es jetzt in der Bundesfachplanung weitere Optionen für Gleichstromtransport gibt: Konkret geht es um Erdkabel, die künftig nicht mehr nur als Ausnahme gegenüber Freileitungen eingesetzt werden können. Der Technologiebeitrag von ABB hierzu ist das weltweit einzige kunststoffisolierte 525-kV-Gleichstromkabel, das wir im vergangenen Jahr vorgestellt haben.

 

Wie wird ABB den Herausforderungen in den nationalen und internationalen Märkten für Energietechnik begegnen?

ABB zielt in seiner globalen Next-Level-Strategie auf deutlich stärkeren Marktfokus und eine agilere Organisation. Eine der wichtigsten Änderungen, die wir Anfang 2016 umsetzen werden, ist die Schaffung der neuen Division Stromnetze. Diese neue Division wird der weltweit führende Anbieter im Bereich Energie- und Automatisierungslösungen für das Netz sein – mit einem umfassenden Portfolio von Produkten, Systemen und Dienstleistungen.

 

Welche Vorteile hat das für die Kunden?

ABB wird aus der Division Stromnetze auch in Zukunft Spitzentechnologien und Lösungen liefern, um den rasanten Entwicklungen in der Stromübertragung und -verteilung sowie den damit verbundenen Herausforderungen und Chancen optimal zu begegnen. Die Bildung dieser neuen Division gibt uns die Möglichkeit, unsere Kunden noch besser zu unterstützen und ihnen aus einer Hand einen noch größeren Mehrwert zu liefern.

„Die Division Stromnetze wird Spitzentechnologien und Lösungen liefern, um den rasanten Entwicklungen in der Stromübertragung und -verteilung zu begegnen.“