Fertigungsautomatisierung 3 | 18

Präzises Roboterteamwork im Dienst der Gesundheit

Bestückung von Leckprüfungsanlagen für Infusionsbeutel

Die Wilco AG mit Sitz in der Schweiz liefert zwei automatisierte Anlagen zur Leckprüfung von Infusionsbeuteln in die USA. Je acht Roboter von ABB be- und entladen punktgenau die raffiniert konstruierte Prüfvorrichtung.

Mit Flüssigkeiten befüllte Beutel sind für Roboter nicht einfach zu handhaben; erst recht nicht, wenn sie – je nach Charge – unterschiedliche Größen haben und die Beutel in unterschiedlichen Abständen auf dem Förderband angeliefert werden. „Das war für uns ein großer Auftrag mit Premierencharakter im Pharmabereich“, erklärt Andreas Troxler, Verkaufsingenieur bei ABB Robotics Schweiz. Zwar gebe es auch in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie Roboteranwendungen für das Handling von Beuteln. „Aber dass gleich acht Roboter mit diesem enorm großen Durchsatz gleichzeitig arbeiten, ist bislang einzigartig.“

„Dass gleich acht Roboter mit diesem enorm großen Durchsatz gleichzeitig arbeiten, ist bislang einzigartig.“

Das Greifwerkzeug funktioniert mit einem Saugmechanismus.

Kamerabasiertes Handling

In jeder der beiden Anlagen sind fünf Roboter vom Typ IRB 1200 damit beschäftigt, Infusionsbeutel an eine über dem Laufband eingerichtete Fördervorrichtung zu hängen, über die sie in die Leckprüfungsanlage von Wilco geführt werden. Drei weitere IRB 1200 legen sie nach erfolgter Prüfung wieder auf das Laufband. So können pro Anlage ganze 125 Beutel pro Minute – was einer Gesamtkapazität von 15.000 Beuteln pro Stunde entspricht – der Leckprüfung zugeführt werden. Auf dem Zuführband kommen die Infusionsbeutel in unregelmäßigen Abständen an. Ein kamerab asiertes Erkennungssystem sorgt dafür, dass die fünf Roboter dennoch punktgenau zufassen. Die geeigneten Greifwerkzeuge zur Handhabung der naturgemäß schwabbeligen Ware hat die Schweizer Firma marti engineering AG beigesteuert.

„Das Besondere an dem Auftrag ist auch, dass auf beiden Anlagen Beutel unterschiedlicher Größe geprüft werden können – Chargen von 500 ml, 750 ml wie auch 1000 ml Inhalt“, so Troxler. Die Umstellung zur Prüfung einer Serie mit Beuteln anderer Größe könne denkbar einfach mit minimalen Parameteranpassungen geleistet werden.

Premiere für Wilco

„Oft erwerben die Kunden die Leckprüfungsanlage von uns und lassen dann, so gewünscht, eine Automatisierungslösung für die Be- und Entladung selbst realisieren“, erläutert Marc Haas, Projektleiter bei der Wilco AG. „So lieferten wir zwar auch schon automatisierte Anlagen aus, aber in dieser Größenordnung, mit zweimal acht Robotern im Einsatz, ist das auch für uns eine Premiere.“ Endkunde ist die B. Braun AG am Standort Daytona in den USA. Dafür mussten die umfangreichen Validierungsvorgaben der US-Behörden mit der entsprechenden detaillierten Dokumentierung berücksichtigt werden. Die Dokumente füllen zahllose Ordner.

„Die vertrauensvolle, offene Zusammenarbeit von Wilco und ABB hat sich ausgezahlt.“

Erwartungen übertroffen

Wieso hat Wilco ABB für die Automatisierungslösung gewählt? „Wir hatten bei früheren Integrationen von Robotern in unsere Inspektionssysteme gute Erfahrungen mit ABB gemacht – und waren überzeugt, dass wir gemeinsam auch diese komplexe Anlage in der erforderlichen höchsten Qualität würden realisieren können“, so Haas. Dafür war ein Robotikexperte von ABB nach dem Projektstart im Januar 2017 rund zehn Monate lang mehrheitlich vor Ort im Werk in Wohlen engagiert.

Nebst siebzehn Robotern vom Typ IRB 1200 – einer dient als Reserve – und dem Engineering lieferte ABB auch die Sicherheitsausrüstung für die beiden Inspektionsanlagen. Zudem bietet ABB auch für die im Mai 2018 installierten Anlagen im US-amerikanischen Daytona technische Unterstützung und Analyse.

Der Werksabnahmetest Ende 2017 in Wohlen überzeugte den Endkunden B. Braun vollauf. Die geforderte Zuverlässigkeit der Beutelbe- und -entladung von 99,5 % wurde jedenfalls weit übertroffen. „Die vertrauensvolle, offene Zusammenarbeit von Wilco und ABB hat sich ausgezahlt, um dieses für uns außergewöhnlich umfangreiche Projekt zum Erfolg zu bringen“, zieht Marc Haas ein positives Fazit des Großauftrags.